Edgar Degas, geborener de Gas

Edgar Degas, gebürtiger Name Edgar Germain Hilaire de Gas, ist am 19. Juli 1834 in Paris als erstes von fünf Kindern eines Neapolitaners geboren worden. Am 27. September 1917 starb Degas in Paris. Er gilt neben Claude Monet und Édouard Manet als einer der Gründer des Impressionismus, obwohl Degas persönlich den Begriff Realismus bevorzugte. Seine Pastellmalerei wird als außergewöhnlich bewertet. Degas schuf auch grafische Arbeiten, Fotografien und Skulpturen.

Edgar Degas Biografie

Degas wuchs in großbürgerlichen Verhältnissen auf. Vater Auguste de Gas leitete die Pariser Niederlassung der familieneigenen Bank in Neapel. Nach seinem Willen sollte Edgar Jurist werden. Nach einem abgebrochenem Studium widmet sich Degas der Kunst. Obwohl es dem Vater nicht gefiel, unterstützte er seinen ältesten Sohn in seiner künstlerischen Laufbahn. 1853 wurde Degas Schüler von Louis Lamothe. Zwei Jahre später besuchte er kurz die École des Beaux-Arts, brach jedoch erneut die Ausbildung ab. Degas zog es vor, autodidaktisch die Techniken des Zeichnens und Malens zu erlernen.

1856 geht Degas als Teil seiner “Grand Tour” zur obligatorischen Bildungsreise nach Italien. Er zeichnet Hunderte von Studien nach Gemälden der italienischen Meister des 14. bis 16. Jahrhunderts. Nach kurzem Aufenthalt bei seiner Familie in Neapel reist der 23-jährige Pariser nach Rom. Zwei Jahre später geht Degas zu seinen Verwandten, der Familie Bellelli nach Florenz.

Edgar Degas

Edgar Degas Kunstwerk Portrait des Grafen Ludovic Lepic und seine Töchter ist 1870 entstanden und wurde 2008 in der Sammlung Bührle in Zürich gestohlen.

Berühmte Kunstraube: Edgar Degas “Porträt des Grafen Lepic und seine Töchter” (1870) wurde 2008 aus der Stiftung Sammlung E. G. Bührle gestohlen. Vier Jahre später ist es leicht beschädigt wieder aufgetaucht.

Edgar Degas fotografiert von Édouard Manet. Rechts ein Selbstportrait von 1855 von dem Pariser Maler Edgar Degas

Edgar Degas (1834 – 1917). Links ein Foto aus der Privatkollektion von Édouard Manet, rechts ein Selbstportrait mit dem Titel “Selbstporträt mit Bleistifthalter” (ca. 1855), Öl auf Leinwand, 81 × 64,5 cm.

Die Stiftung Sammlung E.G. Bührle wurde 2008 Opfer eines Kunstraubs. Es wurden vier Gemälde im Wert von 130 Mio Euro gestohlen. 2012 sind alle Gemälde wieder aufgetaucht.

Berühmte Kunstraube: 2008 wird die Stiftung Sammlung E. G. Bührle Opfer eines Kunstraubs. Im April 2012 sind alle Gemälde wieder aufgetaucht. Oben links: Edgar Degas “Porträt des Grafen Lepic und seine Töchter” (1870), oben rechts: Paul Cézannes “Der Knabe mit der roten Weste” (1890), unten links: Vincent Van Goghs “Blühende Kastanienzweige” (1890), unten rechts: “Mohnfeld bei Vétheuil” (um 1879) von Claude Monet.

Degas Eintritt in die Pariser Kunstszene

1859 kehrt Degas nach Paris zurück. Er bezieht ein Atelier in der Rue Laval in der Nähe des Boulevard de Clichy. Sein 1958 begonnenes Gemälde der Florenzer Familie Bellelli wird weitergemalt – erst 1867 soll das 200 x 250 cm große Ölgemälde fertig gestellt werden. Das Gemälde spiegelt auch sein Interesse an Portraits wider.

Degas versucht sich ab 1860 in der Historienmalerei und stellt fünf Gemälde bis 1865 fertig. Die Themen dieser Gemälde sind biblischen, geschichtlichen und mythologischen Ursprungs. Eines der Werke, das Gemälde “Mittelalterliche Kampfszene” wird auch im berühmten Pariser Salon ausgestellt. Es findet jedoch keine Beachtung.

Zeitgleich entdeckt er das Thema Pferde und Jockeys, die er in künstlerischen Arbeiten Zeit seines Lebens verarbeitet. Fortan widmet sich Degas dem Pariser Nachtleben und hält gesellschaftliche Szenen fest. Von 1866 bis 1870 stellt Edgar Degas regelmäßig im Pariser Kunstsalon aus. Seine Themen beinhalten Frauen in den unterschiedlichsten Lebenssituationen, Balletttänzerinnen, Jockeys und ihre Pferde, das Pariser Nachtleben und Prostituierte.

Die wirtschaftliche Situation der Familie Degas ändert sich in den 1870er Jahren drastisch, nachdem sein Vater mit seiner Bank in Konkurs geht und sein Bruder hohe Geschäftsschulden aufweist. Durch die Unterstützung des Kunsthändlers Paul Durand-Ruel war es Degas möglich zumindest die Schulden seines Bruders René zu begleichen.

1874 beginnt Degas mit einigen Künstlerkollegen – u.a. gemeinsam mit Camille Pissarro – die später berühmt werdende “Impressionisten-Ausstellung” als Gegenstück zum Kunstmonopol des Pariser Salons. Insgesamt werden acht Ausstellungen bis zum Jahr 1886 realisiert. Dem harmonischen Wirklichkeitssinn seiner Kollegen setzte Degas seine spannenden Milieustudien aus dem Pariser Leben entgegen.

Degas zieht sich ab 1890 mehr und mehr zurück aus der Öffentlichkeit. Es gibt nur noch selten Ausstellungen zu sehen. Er hat sich inzwischen vom Impressionismus abgewandt und seine künstlerischen Werke werden experimentierfreudiger und variabler. In den 1890er Jahren widmet sich Degas hauptsächlich der Fotografie. Seine fotografischen Werke werden erstmals 1895 ausgestellt.

Edgar Degas privat

Degas ist immer Junggeselle geblieben. Man hat auch nie davon gehört, das er eine Liasion gehabt hatte. Andere Stimmen meinen, dass er homosexuell oder pädophil war. Doch warum malte er dann hauptsächlich Frauen in den unterschiedlichsten Posen und Prostituierte in ihrer unmittelbaren Arbeitsumgebung? Der Pariser Maler fühlte sich in der Gruppe der Impressionisten als Außenseiter – verstand er doch seine Kunst nicht als Impressionismus, sondern als Realismus. Zudem war er griesgrämig, sehr sensibel und oft schlecht gelaunt oder gar wütend – man wusste nie genau, wie Degas im nächsten Moment reagieren würde.

Degas war Antisemit und gab seine Meinung auch öffentlich kund, was ihn viele Freundschaften kostete. Er weigerte sich zudem mit Modellen zu arbeiten, die in seinen Augen jüdisch aussahen. Seine antisemitische Haltung kommt u.a. im Gemälde “Portraits at the Stock Exchange” bzw. “At the Bourse” zum Vorschein. Die antisemitische Haltung kann jedoch auch falsch interpretiert werden, da unter Umständen sein Groll durch den Bankrott seines Vaters entstanden ist. Degas war sehr konservativ und hielt z.B. die Erfindung des Telefons für überflüssig. Paradox nur, dass er sich für das damals moderne Medium Fotografie begeisterte.

Der Kunstraub von Degas “Ludovic Lepic und seine Töchter”

Am Sonntagnachmittag des 10. Februar 2008 dringen drei maskierte Männer in die Stiftung Sammlung E. G. Bührle in Zürich ein. Nach Zeugenaussagen tragen die Männer dunkle Spitzhauben mit Sehschlitzen. Ein Maskierter fordert die Museumsmitarbeiter und Museumsbesucher auf, sich auf den Boden zu legen und sich ruhig zu verhalten.

Die zwei weiteren Männer gehen in den großen Ausstellungssaal, in dem zehn Meisterwerke des Impressionismus hängen. Sie nehmen die ersten vier der zehn Gemälde von der Wand und bemerken anscheinend, dass jedes Gemälde mit gesichertem Glas mindestens zehn Kilogramm wiegt. Anscheinend sind die beiden Diebe nur imstande, jeweils zwei Gemälde zu tragen, denn sie entwenden nur vier der zehn bedeutenden Gemälde des Impressionismus. Gemeinsam mit dem dritten Komplizen verschwinden die Kunstdiebe genauso schnell wie sie gekommen sind.

Die vier gestohlenen Werke sind: “Ludovic Lepic und seine Töchter” (1871) von Edgar Degas, Paul Cézannes “Der Knabe mit der roten Weste” (um 1888), “Blühende Kastanienzweige” (1890) von Vincent van Gogh und “Mohnfeld bei Vétheuil” (um 1879) von Claude Monet. Der Gesamtwert des Diebstahls beträgt rund 130 Millionen Euro. Der Raub wird als “der wohl grösste Kunstraub Europas” bezeichnet. Was die Täter – und anscheinend die Verantwortlichen der Bührle-Sammlung – allerdings nicht wussten: Van Goghs gestohlenes Gemälde “Blühende Kastanien” soll eine Fälschung sein.

Die Wiederentdeckung der geraubten Gemälde

Die Gemälde von Monet und van Gogh werden bereits acht Tage später in einem Auto mit gestohlenem Kennzeichen auf dem Parkplatz der Psychiatrischen Klinik Burghölzli aufgefunden. Von Cézannes “Knabe mit der roten Weste” (Wert: etwa 66 Millionen Euro) und Degas “Graf Lepic und seine Tochter” (Wert: etwa 9 Millionen Euro) fehlt jedoch weiterhin jede Spur.

Im April 2012, knapp vier Jahre später, kommen 30 Fahnder aus sechs verschiedenen Ländern einer Kunstdieb-Bande auf die Spur, die nach Serbien führt. Kurz darauf besteht Kontakt zu angeblichen Besitzern der noch gestohlenen Gemälde: Etwa 1,4 Millionen Euro Bargeld muss die Kripo den Informanten zahlen, damit ein Treffen realisiert werden kann. Am 11. April 2012 schlagen die Fahnder in Belgrad zu: Vier Verdächtige werden in einem Auto mit den gestohlenen Gemälden von Cézanne und Degas festgenommen. Die Bilder weisen Risse und eine abgeschlagene Kante auf, da sie aus den Rahmen entfernt worden sind. Außerdem wird eine große Menge an Bargeld und Waffen sichergestellt. Die Schweizer Behörden kennen die Festgenommenen: Sie wurden seit Jahren als Schwerstkriminelle in ihrer Datenbank geführt.

Edgar Degas in der Sammlung Bührle