Der 1. Mai in Berlin-Kreuzberg

Der Erste Mai in Kreuzberg bezeichnet die durch linke und linksradikale Gruppen organisierten Straßenfeste und Demonstrationen am 1. Mai, dem Tag der Arbeit, in Berlin-Kreuzberg. Speziell bezieht sich der Begriff auf den 1. Mai 1987, als in Kreuzberg bis dahin ungekannte schwere Unruhen ausbrachen und sich die Berliner Polizei für mehrere Stunden vollständig aus SO 36, einem Teil von Kreuzberg, zurückziehen musste. Fünf Jahre zuvor gab es unruhige Proteste bei der Anti-Reagan-Demo am Berliner Nollendorfplatz.

Seitdem führen Autonome und Antifa-Gruppen fast jedes Jahr eine oder mehrere Revolutionäre 1.-Mai-Demonstrationen durch. Sowohl in der Nacht auf den 1. Mai, der Walpurgisnacht, als auch am Abend des 1. Mai kann es zu Ausschreitungen teilweise durch Vermummte kommen, die das Steinewerfen bis zur Perfektion beherrschen.

Die 1. Mai-Demonstration in Berlin

Barrikaden in Berlin-Neukölln nach den Unruhen vom 1. Mai Blutmai 1929: Die Prinz-Handjery-Straße (heute Briesestraße) in Berlin Neukölln.

Bundesarchiv, B 145 Bild-P046278 / Weinrother, Carl / CC-BY-SA Barrikaden in Berlin-Neukölln nach den Unruhen vom 1. Mai Blutmai 1929: Die Prinz-Handjery-Straße (heute Briesestraße) in Berlin Neukölln.

Revolutionäre 1. Mai Demonstration 2006, Oranienstraße in Berlin-Kreuzberg, nicht angemeldete Spontandemonstration

BBOX Revolutionäre 1. Mai Demonstration 2006, Oranienstraße in Berlin-Kreuzberg, nicht angemeldete Spontandemonstration

Ein Räumpanzer der Polizei schiebt ein angezündetes Auto am 1. Mai 2001 in Berlin-Kreuzberg weg.

Eilmeldung / Fotogalerie Ein Räumpanzer der Polizei schiebt ein angezündetes Auto am 1. Mai 2001 in Berlin-Kreuzberg weg. Das Auto wurde umgeworfen und angezündet, um es als Barrikade zu nutzen.

Roehrensee Die Skalitzer Straße in Berlin-Kreuzberg nach dem 1.Mai 1987. Im Hintergrund der ausgebrannte Bolle Supermarkt. Heute steht dort die Umar Ibn Al-Khattab-Moschee.

1. Mai 1929: Polizisten räumen in Berlin Straßenbarrikaden. Im Hintergrund sieht man die auseinandergetriebene Demonstranten.

Bundesarchiv, Bild 102-07707 / CC-BY-SA 1. Mai 1929 Blutmai: Durch das harte Vorgehen der Polizei sterben 33 Demonstranten, mehr als 200 werden verletzt. Polizisten räumen hier in Berlin Straßenbarrikaden. Im Hintergrund sieht man auseinandergetriebene Demonstranten.

1. Mai 1987 Berlin-Kreuzberg: Volkszählungsboykott-Büro am Mehringhof wird gestürmt

Wir erinnern uns: 1987 war die 750-Jahr-Feier Berlins in der noch geteilten Stadt, und es gab eine Volkszählung, die viele Bürger boykottierten. Ein sog. Volkszählungsboykott-Büro befand sich zu der Zeit auf dem Mehringhof in der Gneisenaustraße 2. In den Morgenstunden des Feiertages 1. Mai brachen Polizisten die Türschlösser vom Boykott-Büro auf und beschlagnahmten Unterlagen. Klaus Hübner war zu diesem Zeitpunkt als Polizeipräsident in Berlin verantwortlich für diese Aktion. 

Am Abend des 1. Mai 1987 heizte sich nach dem traditionellen Straßenfest zum Tag der Arbeit die Stimmung wegen des rabiaten Vorgehens der Polizei am Mehringhof auf. In den Abendstunden flogen die ersten Steine Richtung Polizei. Um den Heinrichplatz herum wurden über 30 Läden geplündert, darunter Einzelhandelsgeschäfte, aber auch große Supermärkte. Baufahrzeuge und parkende Autos wurden als Barrikaden genutzt und wurden angezündet. Am U-Bahnhof Görlitzer Park ist ein Bolle Supermarkt nach einer Plünderung komplett ausgebrannt - heute steht an diesem Platz seit 2008 die Umar Ibn Al-Khattab-Moschee. Erst Jahre später wurde bekannt, das nicht ein Autonomer den Supermakrt angezündet hat, sondern ein Pyromane, der zufällig die Plünderung sah und die Situation zum Feuerlegen genutzt habe.

Bilanz der Krawallnacht 1. Mai 1987 in Berlin-Kreuzberg: Knapp 100 Polizei- und Feuerwehrautos beschädigt, ein Löschwagen ausgebrannt, mehr als 400 Verletzte, 50 Festgenommene, und Schäden in Millionenhöhe.

Kurzfilm: Unruhen am 1. Mai 1987 in Berlin-Kreuzberg

Der 1. Mai in Berlin-Kreuzberg: Quelle und weiterführende Links